Johann Gerhard Oncken, Gründer des deutschen Baptismus, kommt am 18. Juli 1869 persönlich nach Braunschweig, um eine Gemeinde mit 47 Mitgliedern zu starten.
In den folgenden Jahren wirkt Andreas Freitag in und um Braunschweig als Missionar: „Zunächst arbeitete ich in Braunschweig mit seinen 55.000 Einwohnern. Ich begann in den Häusern vor den Toren, anschließend auf der Promenade und schließlich in der Stadt. Haus bei Haus, von oben bis unten. In fünf Monaten hatte ich überall mit den Leuten gesprochen und Traktate hinterlassen.“
Manchen ein Ärgernis
- Von 1876 bis 1888 wird die Gemeinde Braunschweig als Station der Gemeinde Helmstedt geführt. In dieser Zeit wächst die Gemeinde auf 126 Mitglieder. Sie trifft sich in verschiedenen Versammlungsräumen, unter anderem in einer Tischlerwerkstatt. Dort kommt es immer wieder zum Streit mit dem Nachbarn, der wiederholt die Fenster zu seinem Grundstück zunagelt, weil er das Singen und Beten der Gemeinde nicht erträgt.
- 1885 gründen Sangesfreudige einen gemischten Chor.
- Nach zwei Jahren wandert Freitag allerdings wegen Uneinigkeit mit dem Gemeindevorsitzenden nach Amerika aus.
Die Region im Blick
In Peine entsteht 1899 eine erste Tochtergemeinde. Neben wöchentlichen Versammlungen in Wolfenbüttel sind Braunschweiger Baptisten an sieben Orten im Umland aktiv. In Schöningen gründen Gläubige 1920 eine eigene Gemeinde.
Krisenjahre
- Nach dem Ersten Weltkrieg und durch die Wirtschaftskrise sinkt die Mitgliederzahl auf 124. „Wir beten um eine göttlich geistliche Belebung aller Glieder zu allgemeiner Arbeitsfreudigkeit.“
- 1926 gibt es keine Taufe. „In Allen könnte mehr heiliges Feuer sein.“
- Im Dritten Reich sympathisieren offensichtlich einige Gemeindemitglieder mit den Nationalsozialisten, was sich in ihrem Kleidungsstil und entsprechenden Parolen zeigt.
- Dank „großer Opferwilligkeit“ der Mitglieder schafft die Gemeinde 1940 eine Orgel im Wert von 10.000 Mark an, ohne Schulden zu machen. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs fallen Gottesdienste wegen Fliegerangriffen mehrmals aus oder finden im Luftschutzkeller statt. 1944 zerstört ein Luftangriff Kapelle und Predigerhaus.
Kommen und Gehen
- Die Gemeinde erlebt nach einem Mitgliederschwund während des Zweiten Weltkrieges durch eine erste Flüchtlingswelle aus den Ostgebieten ein starkes Wachstum und eine Durchmischung der einheimischen Mitglieder. Eine zweite Flüchtlingswelle führt kurzzeitig zu einem Anstieg der Mitgliederzahl auf über 700.
- Es ist schwierig, die weit verstreut wohnenden Gemeindeglieder zu betreuen. „Könnte nicht eine generelle Regelung getroffen werden, dass jeder Prediger ein Fahrrad zur Verfügung erhält?“
- Anfang der 50er Jahre wandern viele Mitglieder nach Nordamerika aus.
Aufbruch mit Hindernissen
- Nach langwierigen Verhandlungen erteilt die Stadt die Genehmigung zum Neubau des Predigerhauses und zur Renovierung der Kapelle. Material- und Geldknappheit erschweren den Bau.
- Die Gemeinde stellt für diakonische Aufgaben eine Gemeindeschwester ein.
Geistliches Wachstum erwünscht
- Neue Gebetskreise fördern in den Fünfziger Jahren die Bedeutung des Gebets. Ein Jugendsaal entsteht. Der Besuch der Bibelstunden entwickelt sich wohl nicht ganz so wie erhofft: „Schwestern beteiligen sich mehr als Brüder, die sich genieren.“
- Seelsorgerliche Aussprachen nehmen einen weiten Raum ein.
- Es finden eine Zeltmission auf dem Schlossplatz und regelmäßig missionarische Veranstaltungen an sechs Orten in Braunschweigs Umgebung statt. In Wolfenbüttel startet eine Jugendgruppe.
Es kommt Bewegung in die Gemeinde
- Anfang der Sechziger sind rund ein Viertel der Gottesdienstbesucher Freunde, keine Mitglieder.
- Der Gemischte Chor führt das Oratorium „Die Sintflut“ auf.
- In Wolfenbüttel freut man sich über einen eigenen Versammlungsraum.
- Vor allem die junge Gemeinde versucht in Anbetungsgottesdiensten dem charismatischen Gottesdienst (1. Kor. 14) näher zu kommen: „Der Herr hat noch Größeres bereit.“ Es gibt erste Überlegungen und Aktivitäten zur Gründung einer neuen Gemeinde im Süden Braunschweigs: dazu gehört der Kauf eines Grundstücks und eine Evangelisation.
Schmerzhafte Verluste
- Mehrere Zeltmissionen gehen in Salzgitter-Lebenstedt einer Gemeindegründung voraus.
- Eine Gruppe aktiver junger Gemeindemitglieder verlässt die Gemeinde und gründet eine neue Gemeinde im Heidberg.
- Damit erhöht sich das Durchschnittsalter der verbleibenden Gemeinde deutlich, junge Familien fehlen.
- Weitere Tochtergemeinden entstehen in Groß Schwülper und in Wasbüttel. In Hondelage dagegen scheitert eine Gemeindegründung an rückläufigen Besucherzahlen.
Neustart an der Kälberwiese
- Die Stadt möchte das Gemeindegrundstück am Madamenweg erwerben. Es dauert lange bis die Gemeinde ein geeignetes Grundstück für einen Kirchenneubau findet. Schließlich kann sie Ende 1972 nach kurzer Bauzeit ein neues Gemeindezentrum an der Kälberwiese mit Wohnhaus für Pastor, Hausmeister und Gemeindeschwester im Spatzenstieg einweihen. Das Bauvolumen beträgt 1,2 Mio. DM.
- Ein neu gewählter Vorstand erarbeitet eine neue Satzung und erlangt damit die Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts.
- Die Friedenskirche hat 382 Mitglieder. Die Hälfte davon ist über 60 Jahre, vierzig sind über 80 Jahre alt. Die Gemeinde hat einen Haushalt von 240.000 DM.
Neue Leitung – neue Impulse
- Pastor Walter Rollko stellt sich der Herausforderung und führt die Gemeinde behutsam, aber beständig in eine neue Ära.
- Er richtet die Gemeindearbeit an einem Jahresmotto und konkreten Zielen aus. Themenorientierte Predigten legen den Fokus auf Menschen, die Gott zukünftig in die Gemeinde führen wird. Eine neue Jugendarbeit und ein Jugendchor starten.
- Ein Wochengottesdienst mit kurzen Motivationsimpulsen ersetzt die traditionellen Bibelstunden. Fastenwochen und Gebetsnächte tragen zur Vertiefung des geistlichen Lebens bei.
- Die Gemeinde öffnet sich nach außen: regelmäßige Konzerte, Kontakt zur HvF-Schule, Taufen am Tankumsee.
- Ein Christlicher Sportverein entsteht. Gottesdienstbesucher schätzen das Kirchencafé als Ort der Begegnung. Moderne Lobpreismusik hält Einzug in die Gottesdienste.
- Nach zwei Jahren wird das wöchentliche Angebot einer Gemeindebibelschule zugunsten von Hauskreisen aufgegeben.
- Dem starken Gemeindewachstum – es finden vierteljährlich Taufen statt – begegnet man durch Erweiterung des Gemeindezentrums im Norden um eine Empore, im Süden um einen Jugendtrakt.
Bewegte Neunziger
- Eine missionarische Buscaféarbeit startet, was den Bekanntheitsgrad der Gemeinde in der Stadt spürbar steigert.
- Grundsatzfragen, wie zum Beispiel Frauen als Abendmahlsdiakoninnen oder Pastorinnen führen zu leidenschaftlichen Diskussionen.
Der Verein Pro Vita entsteht.
Gästeorientierte evangelistische Gottesdienste und Glaubenskurse lösen die bisherigen Evangelisationswochen und schwach besuchten Großevangelisationen ab.
- Die Gemeindeleitung besucht regelmäßig Tagungen zum Thema Gemeindeaufbau (Gemeinde und Charisma, Willow Creek).
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- Das „Kinderland“ bietet eine neue Form des Kindergottesdienstes. Bei Familien ebenso beliebt: Der neue Kinder-mitmach-Zirkus „Hallöchen“.
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- Mit 93 Besuchern startet 1994 ein zweiter Sonntagsgottesdienst um 11.30 Uhr mit anschließendem Mittagessen.
- Das Jugendcafé Beo eröffnet. TAW (Teens at work) nennt sich die neue Jugendgruppe. Zusätzlich entstehen Jugendhauskreise.
- Es finden erste Dienstkurse mit Willow-Creek-Material statt.
- Mitglieder der Gemeinde gründen das Musikkolleg und die Beratungsstelle Friedenskirche als eigenständige Vereine.
- Eine interessante Beobachtung: seit wir das Opfer nur noch einmal im Monat einsammeln steigen die Einnahmen spürbar.
- 1998 geht die Friedenskirche mit eigener Homepage online.
Fit für das neue Jahrtausend
Speziell die jüngere Generation hat Fiesta, unser dritter Sonntagsgottesdienst um 18.00 Uhr, im Blick. Jeder Monat bietet eine Gottesdienstreihe zu einem geistlichen Thema, das auf Einladungskarten ansprechend beworben wird.
- „Neues Land“ startet eine Arbeit unter Braunschweiger Drogenabhängigen.
- Jeweils am 20. eines Monats beteiligt sich die Gemeinde am überregionalen Wächtergebet. „Heilendes und Hörendes Gebet“ bieten wir seit 2004 regelmäßig an.
- Durch das starke Gemeindewachstum (über 500 Mitglieder) kommt das Gemeindezentrum an seine Kapazitätsgrenze. Der gleichzeitige Wunsch nach einem missionarischen Aufbruch in die Stadt führt zur Planung eines Neubaus. Er orientiert sich an der Vision der Gemeinde für glaubens- und kirchendistanzierte Menschen und an den fünf Grundwerten der Gemeinde. Das Gebäude soll multifunktional gestaltet werden.
- In der Bauphase nutzt die Friedenskirche ein Jahr das leer stehende Freizeit- und Bildungszentrum am Bürgerpark.
- Überraschend ergibt sich die Möglichkeit Grundstück und Gebäude neben der Friedenskirche zu erwerben. Den Umbau in ein Jugendzentrum treibt die TAW mit großem Enthusiasmus voran.
- Im November 2005 weiht die Gemeinde, die mittlerweile 670 Mitglieder umfasst, die neue Friedenskirche mit 750 Sitzplätzen im Großen Saal ein.
Weichen stellen für die Zukunft
- Wir berufen eine Jugendreferentin, rechtzeitig zur Einweihung der Jugendscheune.
- Der neu gegründete Verein Netzwerk Nächstenliebe bündelt die vielfältigen diakonischen Aktivitäten der Gemeinde.
- Eine neue Satzung und Wahlordnung sieht neben Ältesten für die verschiedenen Arbeitsbereiche in der Gemeinde Diakoninnen und Diakone vor. In Ausnahmefällen gewähren wir auch Christen die Mitgliedschaft, die Mitglieder in einer Kirche mit anderer Taufpraxis waren.
- 2007 begrüßt die Friedenskirche erstmals hunderte geistliche LeiterInnen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zur Glaubenskonferenz der Geistlichen Gemeindeerneuerung (GGE).
- Die Gemeindeleitung entwickelt eine „Vision 2015“.
- 2008 nimmt das Institut für Gemeindebau und Weltmission (IGW) seine Arbeit in der Friedenskirche auf.
- Der Gemeindehaushalt übersteigt, bei 871 Mitgliedern, erstmals eine Million Euro.
- Zwanzig Interessierte nehmen an einem ersten Alpha-Kurs teil.
- Bachchor und -orchester führen das Weihnachtsoratorium auf und beginnen die Reihe der Kantatengottesdienste.
- Ein vierter Gottesdienst „4nach8“ startet am Freitagabend mit wöchentlich unterschiedlicher Ausrichtung.
- Durch Umbau des Südtrakts schaffen wir den Kleinen Saal und einen neuen Raum der Stille.
- Das Familienzentrum Spatz 21 eröffnet.
- 2010 begeistert die erste Osterferien-Kinderwoche vierzig Kinder im Grundschulalter. Der OM-Teenager-Kongress TeenStreet erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit bei den Teens der Friedenskirche.
Wir schauen über den Tellerrand
- Nachdem schon länger Weltwärts-Sonntage auf das internationale Engagement der Gemeinde hinweisen, fördert das „Frühstück international“ die Begegnung der in der Friedenskirche vertretenen über dreißig Nationalitäten.
- FIESTA. lädt Studierende zu STUDENTENFUTTER ein.
- Inmitten der großen Flüchtlingswelle gestalten wir 2015 in der Landesaufnahmebehörde einen Spielenachmittag mit Migranten.
- Die Friedenskirche arbeitet 2016 und 2018 beim „Festival der Hoffnung“ der Evangelischen Allianz mit.
- Wir berufen einen Pastor für Gemeindegründungen.
- Nach längerer Suche und Vorbereitung eröffnet 2018 das Café Bruns in der Südstraße und findet rasch Liebhaber.
- Der Livestream des zweiten Gottesdienstes beginnt mit einer Übertragung in den Kleinen Saal.
- Auf dem Grundstück Kälberwiese 1a entsteht ein neuer Parkplatz.
- Spanisch sprechende und Farsi sprechende Gruppen treffen sich regelmäßig in der Gemeinde.
- Mit guter Beteiligung läuft zwei Monate lang die Gemeindeinitiative „Verwandelt in Gottes Nähe“.
- Die Kinder-Band „Little Rocks“ tritt erstmals auf.
- Drei Gemeindechöre gehen 2017 auf Spanien-Tournee.
- Farbige Flyer präsentieren zeitgemäß die Gemeinde-Angebote und Termine eines Monats. Das Magazin „Quarterly“ informiert viermal im Jahr über Veranstaltungen und das Gemeindeleben.
Was für ein Jahr
- Gleich zwei Pastoren gehen in den Ruhestand, ein neuer beginnt seinen Dienst. Es finden Ältesten- und Diakonatswahlen statt.
- Bei einer „Jubelaktion“ zum 150-jährigen Gemeindejubiläum kommen über 150.000 € zum Schuldenabbau zusätzlich zum Gemeindehaushalt zusammen.
Womit niemand gerechnet hätte
Auf ihrer Klausur bewegt die Gemeindeleitung das Jahresmotto aus Psalm 46, 11: „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“ Sie verzichtet auf die Benennung von Jahreszielen, ohne zu ahnen, dass wenig später Maßnahmen zur Verlangsamung der Ausbreitung der Corona-Pandemie eine drastische Einschränkung des Gemeindelebens mit sich bringen. Während alle öffentlichen Gemeindeveranstaltungen ausfallen müssen, wird das Online-Angebot ausgebaut und perfektioniert. Gemäß den behördlichen Auflagen entstehen neue Gottesdienstformen.
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